Intimchirurgie – noch immer ein Tabu?

Volle Lippen, flacher Bauch, straffer Po. Der Wunsch nach Schönheit und Jugendlichkeit ist allgegenwärtig in unserer Gesellschaft und es wird sich rege darüber ausgetauscht. Und was ist unten zwischen den Beinen? Da redet niemand so gerne darüber. In der Hose sitzt ein Tabu. Und der Reißverschluss bleibt meist zu, genau wie der Mund.

Anders als zum Beispiel, wenn Personen unzufrieden sind mit ihren Falten im Gesicht oder Fettröllchen an der Hüfte und am Bauch, empfinden viele Scham davor offen über Wünsche und Probleme im eigenen Intimbereich zu sprechen. Auch wenn in unserer heutigen Gesellschaft der Intimbereich und Sexualität keine Tabus mehr bedeuten und viele plastische und ästhetische Chirurgen Aufklärungsversuche unternehmen, fühlen sich viele Frauen trotzdem unwohl sich zu öffnen und über ihre Wünsche und Unannehmlichkeiten im Intimbereich zu sprechen.

Die Form und das Aussehen des weiblichen Intimbereichs sind bei jeder Frau unterschiedlich, das ist ganz normal. Es gibt aber Fälle, in denen für die Person nicht nur ein rein ästhetisch unerwünschtes Merkmal vorliegt, sondern dies auch als störend oder schmerzend empfunden werden kann. Dazu gehören zum Beispiel innere Schamlippen, die länger sind als die äußeren Schamlippen und diese somit überragen. Dies kann für Frauen nicht nur ein psychisch belastendes Thema sein, sondern sie auch physisch beim Sex oder Sport durch unangenehme Reibungen beeinträchtigen. Viele Frauen wünschen sich daher beispielsweise die Schamlippen verkleinern zu lassen. Sie trauen sich aber nicht offen über das Thema zu sprechen oder persönlich beim Arzt nach Informationen zu fragen.

Doch Frauen sind mit ihren Wünschen und Problemen nicht so allein wie sie denken. Das Interesse an Intimchirurgie besteht und steigt. Da die Krankenkassen diese Eingriffe nicht bezahlen, sind aber genaue Zahlen unbekannt. Veröffentlichte Zahlen der DGPRÄC (Deutsche Gesellschaft der Plastischen Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie) zeigen allerdings, dass der häufigste Eingriff in der Intimchirurgie die Schamlippenverkleinerung ist. Außerdem gäbe es in der Intimchirurgie mehr Patientinnen. Bei beispielsweise Penisvergrößerungen bei Männern handelte es sich nur um eine kleine Anzahl.

Das Interesse besteht somit vor allem bei Frauen. Doch wie können Patientinnen vorgehen, wenn sie das direkte Gespräch über das Tabuthema scheuen? Die einfachste Möglichkeit besteht hierbei darin, das Internet zu nutzen und sich über Möglichkeiten der Intimchirurgie anonym zu informieren. Beispielsweise wurde die Deutsche Gesellschaft für Intimchirurgie und Genitalästhetik E. V. 2012 neu gegründet und verfolgt das Ziel theoretisches und praktisches Wissen bezüglich Intimchirurgie (z. B. bestimmte Operationsmöglichkeiten, verschiedene Techniken, Verminderung von Komplikationen, ect.) zu vereinen und Leitlinien zu entwickeln. Das Ziel dabei ist nicht nur die Qualität und Sicherheit der Intimchirurgie zu optimieren, sondern auch den Patienten und Patientinnen die Suche nach einem geeigneten Arzt zu erleichtern. Auf der Internetseite können so zum Beispiel anonym Ärztelisten von Plastischen und Ästhetischen Chirurgen eingesehen werden. Solche Internetseiten ermöglichen es Patienten und Patientinnen sich im Internet zu informieren und diskret mit dem Arzt oder der Ärztin ihrer Wahl Kontakt aufzunehmen.

Wenn Personen Probleme im Intimbereich haben und sich scheuen offen darüber zu reden oder durch ein persönliches Gespräch Informationen zu erlangen, bietet das Internet somit zahlreiche Möglichkeiten dies auf eine angenehme und anonyme Weise zu erreichen.